NACD Fullcave

Zwei Teammitglieder des Teams „Techdiving-Network“ absolvierten Ende Juli 2011 ein intensives Training bei Protec Sardinia zum Erwerb der NACD „full cave“ Lizenz.
Nach einer mit „stop and go“ garnierten Anreise auf der Autobahn und einem nächtlichen Fährtransport von Genua nach Olbia, erreichten wir in freudiger Erwartung den Golfo di Orosei und den malerischen Küstenort Cala Gonone in Sardinien.
Sehr schnell fühlten wir uns aufgrund der freundlichen und zugleich familiären Begrüßung von Toddy und seinem Team sowie als Gäste im Hotel „La Playa“ willkommen und sehr wohl.
Die jahrelange Erfahrung von Toddy Wälde und seine sehr professionell geführte Basis mit ihrer idealen Lage direkt am Hotel, schien für uns ideal für unsere cave Ausbildung.
Perfekt auch, dass eines der größten und schönsten Höhlengebiete in Europa für unsere Ausbildung direkt vor der Haustür lag und die Eingänge innerhalb von 20-40 Minuten mit dem Boot zu erreichen waren.

Tag 1
Begonnen haben wir, wie alle die vor uns kamen, im legendären sardischen Wald, wo wir einem Ritual gleich einen halben Tag lang einen Cocktail von T`s, Arrows, Jumps, Cookies und “ worst case” Szenarien zu uns nahmen.
Zum Glück hat uns niemand, der uns kennt, dabei beobachtet, wie wir zu zweit hintereinander mit dem Kopf in Deckung und mit einer „Scheibenwischerbewegung der Arme” der Leine durch den Wald folgten.
Wie wichtig und wegweisend dieser Tag letztendlich für uns sein würde, konnten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht einschätzen.

Tag 2.
O.K., endlich im Wasser.

Freigewässer Tauchgang, Standards abchecken und Apnoe skills.
Wir hatten das Vergnügen mit Bruno Spagnuolo, einem supernetten Schweizer „cave Instructor“, dem man nicht zutrauen würde, auch nur einer kleinen Fliege etwas zu leide zu tun.
Hmm…. was soll ich sagen. Er gab uns einen eindeutigen Vorgeschmack darauf, was man von uns erwartete und was die nächsten 7 Tage auf uns zu kommen würde.

Tag 3/4
Primary Tie off`s, secondary tie offs` und placement`s war das große Thema der nächsten Tage und irgendwie fühlten wir uns wie Anfänger, in die Anfangstage unserer „Tauchkarriere“ zurückversetzt. Was uns bis zu diesem Zeitpunkt als eher nebensächlich erschien, entpuppte sich immer mehr als die hohe Kunst der Leine legen.
Dann endlich nach einigen „worst case“ Tauchgängen in der Tageslichtzone der Grotta Bella Torrente, ging es nun endlich in die Höhle.
Mit der gebührenden Hochachtung vor dem, was da vor uns lag, drangen wir nun endlich mit gemischten Gefühlen in das Innere der Bella Torrente vor. Alles lief gut und der Tag könnte nicht besser und schöner gewesen sein, hätte es da nicht diesen erfahrenen mit allen Wassern gewaschenen Grottenmolch Namens „Toddy“ gegeben, dessen Mission es war, uns zu zeigen, dass wir uns in einer wirklich lebensfeindlichen Umgebung befanden.

„Lange Rede kurzer Sinn“ der Weg hinein war der unsere, der steinige Weg hinaus, der seine!
Flossen weg, Licht weg, Gas sharing, Tarierung weg (hihi) und dann raus, denn die „Gasuhr“ läuft.
Nun zahlten sich doch die ersten Tage „Trockentraining“ aus.
Aber nicht genug , verloren wir auch noch am nächsten Tag „inszeniert“ von Meister Toddy, die maine line bei kompletten Lampenausfall. Als ich diese endlich wieder gefunden hatte und ohne die Leine zu sichern meine Maske wieder aufsetzt hatte, war diese und die Leine auch schon wieder Weg gewesen !
O.K. selbst schuld, “immer erst die Leine sichern”, dann eben noch einmal. Training macht den Meister …!

Tag 5/6/7
Nach einigen Tagen stellten wir fest, dass wir noch keinen einzigen Tauchgang mit Licht und ohne „out of gas“ beendet hatten und dass es für uns fast normal war, nur den Weg hinein in die Höhle zu sehen. Wir lernten, dass wir im Notfall mit “pull and glide “ Techniken schneller waren als mit unseren Flossen.
Das intensive Training war es, das uns mehr und mehr Sicherheit bei „worst case“ Szenarien gab.
Die allabendliche Theorie kostetete uns die letzte Energie, aber Toddy mit seiner professionellen Einstellung war immer in der Lage, uns wieder auf das Neue zu motivieren. Respekt, obwohl auch er manchmal ziemlich platt war !
Nachdem Frank mich am Tag 7 nach dem Verlust meiner kompletten Tarierung im „piggy bag style“ verloren hatte (was ihn ziemlich grämte), durfte er mich als „Belohnung“ den kompletten Weg aus der Höhle bergen. (Eric mit Ausrüstung – ca. 150 Kg.)
War für mich wie scootern… aber er hat es geschafft !

Tag 8/9
Waren letztendlich der komplexen Navigation in der Höhle gewidmet und in unseren Köpfen schwirrten Arrows, Cookies, jumps, sumps mit complex circuits und Traversen im Kreis umher.
Die berühmten Höhlen Euphoria und Uthopia waren eine verdiente Belohnung und der krönende Abschluss unseres full cave Kurses. Zugegebender Maßen, fühlten wir uns nach Ende des Kurses und 20 durchgeführten Tauchgängen sehr sicher und in der Höhlenumgebung wohl.
Alles in allem haben wir eine neue und wirklich herausfordernde Facette des technischen Tauchens kennengelernt.
Die Höhlensysteme in Sardinien bieten mit ihren fantastischen Sichtweiten und der angenehmen warmen Wassertemperatur ideale Bedingungen für ausgedehnte Höhlentauchgänge sowie „cave“ Kurse oder „side mount“ Training.
Die gut strukturierte Basis von Toddy und seinem Team sorgten dafür, dass am Ende alles sicher und glatt ablief. Die Leinenführung und Navigation in den Höhlen ist vorbildlich und in ganz Europa wohl einzigartig.
Man kann an der Maineline ausgedehnte Höhlentauchgänge im „intro to cave“ Level durchführen und es dauert eine ganze Weile, bis das erste „T“ kommt. Auch Fans der komplexen Navigation und des “explorens“ kommen voll auf ihre Kosten, denn noch nicht alles ist heute komplett betaucht.

Für uns steht fest, wir kommen bestimmt wieder…

Eric Simgen und Frank Olbert

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